Achtung Strafzinsen | Verwahrentgelt bei Depotstellen

Warum gibt es Strafzinsen?

Bereits seit 2014 müssen Geschäftsbanken Zinsen zahlen, wenn sie Geld bei der Europäischen Zentralbank parken. Aktuell verlangt die EZB 0,5 Prozent Strafzinsen. Dadurch entsteht ein Kostendruck, den die Banken langfristig weitergeben müssen. Hinzu kommt, dass ausgerechnet in Deutschland verhältnismäßig viele Sparer ihr Geld bei Kreditinstituten anlegen, um es vor den Risiken des Kapitalmarktes zu schützen – ohne an die Inflation (Wertverlust 1-2 % p.a.) zu denken und obwohl die Investition in Fondsprodukte auf lange Sicht zwar schwankender, aber in der Regel rentabler ist. Manche Banken lassen sich die Verwaltung dieser Gelder bezahlen, indem sie ihren Kunden Negativzinsen (Verwahrentgelt) aufbürden.

In der Regel schlägt der Minuszins bereits ab 100.000,– Euro auf dem Cashkonto zu! Möglich ist die Weiterbelastung aber auch schon bei niedrigeren Beträgen. Die Entwicklung ist eindeutig und wird sich auch auf lange Zeit nicht in die andere Richtung bewegen.

Die Übersicht der Depotstellen

Fondsdepot Bank

Aufgrund des seit langem bestehenden extremen Niedrigzinsumfeldes und den damit verbundenen Kosten sieht sich auch die Fondsdepot Bank wie viele andere Institute gezwungen, ein Verwahrentgelt für höhere Guthaben auf Geldkonten einzuführen. Die Höhe des Verwahrentgelts ist variabel und richtet sich nach der Entwicklung des „Zinssatz der EZB für die Einlagefazilität“ (Referenzzinssatz). Für das Verwahrentgelt (0,5% Stand Oktober 2021) wird ein Freibetrag von 5.000 EUR vereinbart. Die Fondsdepot Bank wird zunächst jedoch einen Freibetrag von 100.000 EUR anwenden. Der Freibetrag kann jederzeit ohne weitere Information auf den vereinbarten Betrag reduziert werden. Die jeweils aktuellen Konditionen dazu finden Sie unter www.fondsdepotbank.de/produkte-und-leistungen/geldkonto.  

Stand 01-2022

FIL Fondsbank GmbH (FFB)

Bei einem Guthaben von mehr als 100.000 EUR auf dem Abwicklungskonto wird ein Verwahrentgelt für die Verwahrung von Bankguthaben von derzeit 0,50 % p. a. (analog des Zinssatzes der Deutschen Bundesbank) berechnet. Der Zinssatz ist variabel und kann bei Veränderungen seitens der Bundesbank angepasst werden. Die aktuellen und geltenden Konditionen finden Sie stets unter www.ffb.de/konditionen.

Die Belastung findet nur für den 100.000 EUR übersteigenden Betrag statt. Dazu wird dem Kunden eine entgeltfreie Haltedauer von 10 Tagen gewährt. Das bedeutet, für alle Guthaben über 100.000 EUR wird ab dem 11. Tag der jeweils geltende Zinssatz fällig.

Die Abrechnung und Zahlung des Verwahrentgelts erfolgt zum jeweiligen Quartalsende im Rahmen des Rechnungsabschlusses.

Stand 02-2022

European Bank for Financial Services (ebase)

Die European Bank for Financial Services (Ebase) hat ab Januar 2021 ein Verwahrentgelt eingeführt. Betroffen von diesem Verwahrentgelt sind alle Privat- und Geschäftskunden, die ein "Konto flex" und ein Tagesgeldkonto haben und deren Guthaben 1.000 Euro überschreitet. Ausgenommen sind nur Konten für Depots zur betrieblichen Altersvorsorge (bAV) oder für Zeitwertkonten. Berechnet wird das Verwahrentgelt allerdings erst ab dem 30. Tag.

Auf Beträge oberhalb dieser Summe erhebt Ebase ab Mai ein Entgelt von 0,5 % p. a.: Der Prozentsatz, den sie selbst für Einlagen bei der Europäischen Zentralbank (EZB) zahlen muss und den sie damit seither an die Kunden weitergibt, wie sie in einer Info schrieb. Die Berechnung der Strafgebühr erfolgt nach eigenen Angaben auf der Grundlage des täglich ermittelten Tagesendsaldos des Guthabens. Abgerechnet wird vierteljährlich (Konto flex) und halbjährlich beim Tagesgeldkonto.

Stand 02-2022

comdirect

Es wird ein Verwahrentgelt von 0,5 % p. a. auf Sichteinlagen erhoben.

Für alle Kundenverbindungen, auf die Einlagen die über einen Freibetrag von 50.000 EUR hinausgehen.

Basis für die Berechnung ist der jeweilige Saldo am Ende eines Tages. Dafür werden die Sichteinlagen aller Konten einer Kundenverbindung addiert. Übersteigt die Summe den Freibetrag von 50.000 EUR, wird auf die darüber liegende Einlage das Verwahrentgelt berechnet. Die Belastung erfolgt am Ende des Quartals über das Hauptkonto.

Folgende Konten einer Kundenverbindung werden für die Berechnung herangezogen: Girokonto, Tagesgeld PLUS-Konto, Verrechnungskonto, Wertpapierkreditkonto und CFD-Konto (hier nur das freie Kapital)

Ausgenommen sind: Verrechnungskonten in Verbindung mit cominvest, Laufzeitkonten und Festgeldkonten

Stand 02-2022

DAB BNP Paribas

Die DAB BNP Paribas wird ab 2020 den Minuszins der Europäischen Zentralbank (EZB) an seine Kontoinhaber weiterreichen und sowohl Firmen- als auch Privatkunden unter bestimmten Voraussetzungen ein "Verwahrentgelt" von 0,5 % p. a. berechnen – allerdings anders, als dies bisher eine Reihe von Geschäftsbanken und Sparkassen praktiziert.

Bislang ist üblich, ab einer gewissen Einlagensumme – häufig liegt die Grenze bei 100.000 EUR – einen "Strafzins" zu verlangen. Die DAB geht anders vor: Bei ihr fällt die neue Gebühr an, sobald die Euro-Einlagen mehr als 15 Prozent des "Gesamtvermögens" ausmachen. Dieses wiederum setzt sich aus der Summe der Euro-Konten und des Depotwerts bei der DAB zusammen. Sprich: Bei kleinem Depot kann der Strafzins auch für geringe Einlagen fällig werden.

Für die Berechnung der Einlagenquote wird der Durchschnitt der EUR-Kontensalden des vorangegangenen Quartals berücksichtigt. Kurzfristig höhere Kontosalden (z.B. durch Verkäufe oder eingehende Zahlungen) können über den Berichtszeitraum ausgeglichen werden und führen daher nicht automatisch zu einer Belastung.

Für Geldeingänge, die Sie von einer anderen Bank zur DAB übertragen gibt es derzeit eine Sonderregelung: Für neue externe Geldeingänge wird das Verwahrentgelt für 3 Monate ab Buchungstag ausgesetzt. Zum Beispiel: Für einen externen Geldeingang am 15.01.2022 beginnt die Berechnung des Verwahrentgelts zum 15.04.2022. Umbuchungen innerhalb der DAB werden nicht als „fresh money“ gewertet. Diese Sonderregelung gilt bis auf weiteres. Änderungen behalten wir uns für die Zukunft vor.

Damit dürfte die DAB eine der ersten Banken sein, die den Minuszins der EZB ohne eine definierte, absolute Untergrenze an Privatkunden weiterreicht.

Stand 02-2022