Quarterly CIO View der DWS

Multi Asset

Für alles bereit sein

Die Zentralbanken treiben Märkte und Bewertungen. Eine höhere Aktienquote und gute Absicherung empfiehlt sich für Portfolios.

  • Ob Wirtschaftsindikatoren, Zinsen, Zentralbankpolitik oder Aktienbewertungen: Das Umfeld spricht nur für moderates Renditepotenzial, auch wenn wir keine Rezession erwarten.
  • Aktien und höherverzinsliche Anleihen empfehlen sich ebenso, wie auf taktische Chancen zu warten.

Weltweit rentieren Anleihen im Wert von über 15 Billionen US-Dollar negativ. Ein Grund dafür sind die wieder sehr expansiv agierenden Zentralbanken, die insbesondere in Japan und der Eurozone dafür sorgen, dass man im Investment-Grade-Bereich immer weniger Anleihen mit positiver Rendite findet. Allerdings deuten die negativen Zinsen auch am langen Ende, sowie die Invertierung der Zinskurve in den USA darauf hin, dass auch die Sorgen um die Konjunktur die Zinsen niedrig halten. Selbst das Wort Rezession machte im vergangenen Quartal die Runde, auch wenn es zumindest in den Online-Suchanfragen seinen Höhepunkt Mitte August hatte. Immerhin befindet sich der Industriesektor laut Einkaufsmanagerindizes in vielen Industrieländern schon länger in der Kontraktion. In Deutschland sank der Composite Purchasing Managers' Index (PMI) laut IHS Markit im September auf den tiefsten Stand seit sieben Jahren. Dass die Investitionslust in Sachanlagen so schnell wieder zunimmt, ist angesichts des immer weiter schwelenden Handelskonflikts zwischen den USA und China, aber auch zwischen den USA und Europa, vom Brexit ganz zu schweigen, kaum zu erwarten. Zu allem Überfluss zeigte dann auch noch der Angriff auf zwei wichtige saudiarabische Ölanlagen, wie fragil Teile der globalen Energieinfrastruktur tatsächlich sind, und wie schnell Angebotsschocks erfolgen können, deren inflationäre Wirkung dann vielleicht doch weniger erwünscht ist, als allgemein vermutet wird.

Doch vorerst bleibt Inflation in den meisten Regionen ein Phänomen, welches viele nur in Verbindung mit Vermögenspreisen zur Kenntnis nehmen. Diese Gemengelage spricht unserer Meinung nach dafür, dass die jahrzehntelange Zinserosion in naher Zukunft bestenfalls gestoppt, aber nicht gedreht werden wird. Wobei man in diesem Zusammenhang mit dem Wort „bestenfalls” vorsichtig umgehen sollte. Schließlich speiste sich die Rendite vieler Anleihen in den letzten Jahren vor allem aus dem Preisanstieg, und nicht dem Kupon. Betrachtet man etwa 10-jährige Bundesanleihen, so verdankten sie im Schnitt der vergangenen fünf Jahre über 85 Prozent ihres Gesamtertrags dem Preisanstieg. Jetzt, wo die 10-jährigen Bundesanleihen im negativen Territorium rentieren, stellen sich dem Anleiheanleger nach unseren Prognosen zwei mögliche Zukunftsszenarien: die Zinsen verharren auf ähnlichem Niveau, womit kein Ertrag aus einem Preisanstieg winkt und die Gesamtrendite negativ bleibt. Oder aber die Zinsen bewegen sich wieder Richtung positive Renditen, was wiederum in schmerzlichen Preisrückgängen, und damit wieder in einer negativen Gesamtrendite resultiert. Schöne Aussichten.

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